2025
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Datenströme über die Stabantenne

RTTY und CW Dekodierer
Jetzt mit eingebauten Decodern: Am Mikro-Radio direkt Meldungen live mitlesen

D-220 SkalaDas Radio mit dem Chip SI4732 und einem ESP32-S3, sowie einem farbigen Display 320x170 kommt im Auslieferungszustand mit einer offensichtlich sehr durchdachten und optisch ansprechenden grafischen Oberfläche.

Nachdem die Firmware den eigenen Bedürfnissen angepasst werden konnte, folgt nun eine Erweiterung, die es erlaubt ohne zusätzliche Apparate oder Software Datenströme über die Stabantenne in Form von RTTY und Morse (CW)- Signalen zu erkennen, zu dekodieren und als Klartext in einer Zeile zur Anzeige zu bringen.

Die rechte Darstellung zeigt eine laufende Schrift in gelber Farbe von eingehenden Radio-Tele-Type-Meldungen des Deutschen Wetterdienstes auf Kurzwelle. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Baud kann der Text bequem mitgelesen werden.


Dual-Core und Sampling technischer Hintergrund


Der ESP32-S3 verfügt über zwei Kerne. Ein Kern steuert das Radio, die Anzeige und kümmert sich um den Benutzer am Drehencoder. Der zweite Kern liegt in der Originalfirmware brach - er tut nichts. Gary Sims zeigt wie zwei Kerne zusammenarbeiten können. Auf dieser Homepage ist bereits in früheren Tagen ein Arduino in die Lage versetzt worden Töne, Morse- und RTTY-Signale zu dekodieren. Mit einem Software-Ton-Detektor nach Goertzel reagiert das Radio voreingestellt auf Signale der Frequenz 1 kHz an seinem Verstärkerausgang. Dies alles läuft im zweiten Kern, ohne Zutun des anderen Radioaktiven-Kerns. Die Firmware läuft jetzt also quasi mit der Kraft der zwei Herzen...


Hardware Modifikation eine Leitung legen


Damit der ESP32 das Tonsignal verarbeiten kann, muss ein Analogeingang mit dem Lautsprecher bzw. dem Verstärkerausgang verbunden werden. Eine einfache Drahtbrücke muss von Pin 8 des Verstärker-IC zu IO11 des ESP32-S3 verlegt sein damit diese erweiterte Firmware die Signale erkennen kann. Ab Lautstärke 30+ können dann Töne im Bereich 1 kHz erkannt werden.

D-220 Skala
Modifikation der Hardware mit einer Drahtverbindung


Menüpunkt: Decoder


Diese erweiternde Modifikation der Firmware zeigt im Menü einen neuen Eintrag Decoder mit den folgenden Optionen:

  • Off - Tonerkennung und Dekodierung sind inaktiv
  • Tune/BL - Tonerkennung eingeschaltet. Die Hintergrundbeleuchtung der Anzeige erhöht ihre Helligkeit bei erkannter Ton-Frequenz; hilfreich bei der BFO-Einstellung
  • RTTY - aktiviert den 50-Baud-Dekoder und zeigt erkannte Zeichen als Lauftext
  • RTTY45 - dekodiert Funkfernschreibsignale der Funkamateure
  • RTTY75 - dekodiert seltene 75-Baud-Signale
  • Morse - aktiviert den integrierten CW-Decoder mit WPS-Erkennung

Um eine Dekodierung zu erhalten müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Hier eine Liste in entsprechender Reihenfolge:

  • Die Verbindung IO11 zu Pin 8 oder zum Lautsprecheranschluss ist vorhanden
  • Die Firmware ist aufgespielt
  • Eine gute Antenne ist angeschlossen
  • Das Radio ist eingeschaltet auf einem AM-Band
  • Die Lautstärke steht im Bereich 35 bis 45
  • Ein digitales Signal wird per USB oder LSB empfangen, ein entsprechender Ton ist hörbar
  • Mit Menü - Decoder - Tone/BL reagiert die Hintergrundbeleuchtung auf einen gefundenen 1000 Hz Ton. Unter Menü: Bfo kann die Tonhöhe verändert werden bis die Helligkeit im Takt der Signale reagiert. Nun kann mit Menü: RTTY oder Morse die Zeichenumwandung aktiviert werden. Alternativ bietet sich ein Smartphone mit Spektrum-Analyzer an, um die korrekte Frequenz einzustellen. Bei USB-Betrieb ist die niedrigere der beiden RTTY-Frequenzen maßgebend, im LSB-Betrieb umgekehrt.

In West-Europa kann am Nachmittag die Frequenz 10100 kHz oder 4582 kHz des DWD mit seinen RTTY-Ausstrahlungen meist gut empfangen werden. Im Band SW1 stellt man z. B. die Frequenz 4582 ein und schaltet auf Mode USB um. Ein typisches RTTY-Signal ertönt. Zur Ton-Anpassung erfolgt nun die Beobachtung über Decoder - Tone. Mit der Bfo-Einstellung von z. B. +180 schwankt die Helligkeit im Rhythmus der Signale. Nun kann mit Menü: Decoder - RTTY der dekodierte Text zur Anzeige gebracht werden.

D-220 SkalaTeils schwierige Dekodierungen bei kurzen Durchgängen
im Amateurfunkband

Mit Store kann man diese Frequenz mit Mode USB und Bfo-Wert abspeichern. Die Frequenz auf Langwelle findet man im Band MW1. Diese Firmware gestattet es bis auf 149 kHz herunter zu empfangen. Im unteren Seitenband LSB kann das RTTY-Signal des DWD meist laut und deutlich empfangen werden. Dazu sind jedoch alle Störquellen in der Nähe einer langen Antenne zu entfernen.

Morsezeichen auf den Amateurfunkbändern sind meist schwierig zu dekodieren. Regelmäßige Morsesignale liefern NDB-Stationen im Bereich 280 bis 420 kHz in AM. Um den 1 kHz-Ton zu erhalten muss trotzdem USB oder LSB verwendet werden.

Eine Ton-Quelle zur Übung findet man auf 9995 kHz USB. Der Zeitzeichen-Sender sendet verschiede Muster, worunter auch der eigene Stationsname RWM in Morse. Ab den Minuten :09 :39 ertönt für 55 Sekunden die Morse code station identification: "RWM RWM RWM..."


Modifikationen Firmware Anpassungen/Erweiterungen


Das Aussehen und die Bedienung bleiben überwiegend unverändert. Es kommen jedoch einige Menüpunkte hinzu. Mit dem Punkt Info erscheint eine Oberfläche mit mehr Informationen. Über diesen Menüpunkt kann auch wieder zur alten Oberfläche gewechselt werden. Wegen des erhöhten Platzbedarfs bei RDS-Text usw. wurde das Band VHF in FM umbenannt.

  • Menü-Zeit wurde von zwei auf fünf Sekunden erhöht.

  • Signalanzeige mit numerischen RSSI- und SNR-Werten ergänzt.

  • Signalanzeige zusätzlich als schnelles magisches Band

  • Backlight Voreinstellung von 20 auf 33 von 100 erhöht.

  • Menü Backlight hinzugefügt. Im Bereich 0 bis 99 kann die Helligkeit eingestellt werden. Der Wert ist temporär und nicht im EEPROM gespeichert. Bei Helligkeit mit Wert 0 erlischt die Anzeige und nach verstrichenem Menü-Timeout (5 Sekunden) kann der Bildschirm nur durch Aus- und Einschalten wieder beleuchtet erscheinen.

  • RDS-Text hinzugefügt. Dazu wurde die untere Frequenzskala leicht verschoben.

  • RDS-Zeit und Datum hinzugefügt. Zu jeder vollen Minute überträgt RDS die Uhrzeit mit Datum. Es wird die lokale Uhrzeit angezeigt. Das Datum verschwindet beim Senderwechsel, die Uhrzeit bleibt durch eine damit synchronisierte interne ESP32-Uhr bis zum Ausschalten erhalten. Um die Zeit zu erhalten ist der Empfang eines starken RDS-Senders über einige Minuten erforderlich.

  • RDS-Verkehrssender (TP) wird erkannt. Die Umrandung der Stereoanzeige erscheint in Orange bei einem Sender mit Verkehrsdurchsagen. Verkehrsmeldungen zeigen als Mode in Gelb TRAFFIC.

  • RDS-Programmtyp wird als Klartext englisch angezeigt. Einige Sender (WDR2, DLF) ändern bei Nachrichten und anderen Sendungen diese Information.

  • Menü Automute: Schaltet bei RDS-Programm-Typ Pop stumm. Nachrichten (Typ News) und Verkehrsdurchsagen (TA) werden freigeschaltet. Damit lassen sich zum Beispiel bei WDR2 unerwünschte Moderationen unterdrücken. Nur Welt- und Regional-Nahrichten bleiben hörbar. Eine Art nervenschonender Dudelfunk-Blocker. In Stellung SNR werden nur Sender mit Signal to Noise Ratio hörbar.

  • Menü Timer: Ein Einschlaf-Timer schaltet das Radio nach einer eingestellten Minuten-Dauer in den Schlaf-Modus. Der Verstärker, die Anzeige und das Radio werden abgeschaltet. Der ESP32 wird in den Sleep-Modus versetzt - es wird weniger Energie benötigt. Aus-/Einschalten wechselt in den normalen Betrieb.

    Es wurde inzwischen nachgemessen. Der hier eingebaute 750mAh-Akku wird bei Normalbetrieb mit etwa 120 mA belastet. Die Stummschaltung drosselt den Verstärker und der Strombedarf sinkt um etwa 10 bis 20 mA. Eine hohe Helligkeit treibt den Strom nur um wenige mA hoch. Im Sleep-Modus beträgt die hier nachgemessene Stromaufnahme des gesamten Radios bei Akkubetrieb 5,4 mA. Das ergibt bei der angegebenen Akkukapazität theoretische eine Schlafzeit von etwa 138 Stunden, bei vollem Akku. Somit kann man selber ruhig schlafen, ohne einen Brown-Out des ESP32 zu befürchten, wie es hier bereits bei einem frühen Heltec-Board vorkam.

  • Menü Battery: Der Zustand des Akkus kann zusätzlich als Spannung, Prozent oder ausgeschaltet erscheinen. Das Original-Icon ist weiterhin auswählbar. Ans weitere Zusatzinformation kann die Temperatur des ESP32-Kerns dargestellt werden.

  • Menü Store: Speichert durch Druck des Tasters die aktuelle Frequenz mit Parametern im ausgewählten Speicherplatz. Das Speichern der Frequenz 9999 kHz entspricht einer Freigabe dieses Platzes, er erscheint als unbelegt.

  • Menü Recall: Zeigt die gespeicherten Frequenzen und stellt diese beim Drehen am Knopf sofort ein. Nach Ablauf der Menüzeit verschwindet die Speicherliste.

  • Menü Memory: Wechselt zwischen Frequenzeinstellung und Speicherwahl. Im Tune-Modus Memory schaltet der Knopf, wie bei Recall, zwischen den gespeicherten Sendern – ohne über das Menü zu gehen. Die Speicherliste wird dabei angezeigt und verschwindet nach einer Weile. Die Speicherstelle erscheint im linken Statusfenster als zweistellige Zahl nach TUNE mit z. B. M05 als 5. Speicherstelle.

  • AM-Stations: Während der lokale FM-Empfang seine Sendernamen bei gutem Empfang per RDS erhält, ist in den anderen Bändern weltweiter Empfang möglich. Es existiert eine interne Sendertabelle, die auf dem Display ähnlich älterer Skalen mit gelben Rechtecken im Frequenzband zur Anzeige kommt. Zusammen mit der schnellen magischen Anzeige der Feldstärke kommt ein Retro-Feeling des Wellenreitens insbesondere bei Fading auf. Der Name erscheint an bekannter Stelle. Die Stationen wurden zur Kompilierzeit eingebunden und aus Band-Scans ab 9:00 CET bis 22:00 CET in West-Europa mit einer Sony Wide Range Antenna AN-1 gewonnen. Wie bei alten Radios sind nicht alle eingetragenen Sender zu jeder Zeit on Air. Auch die Tageszeit und die jeweiligen Ausbreitungsbedingungen spielen eine Rolle. Stationen mit einem vorangestellten Hochkomma senden über ein Relais (z. B. 'VoA), sporadische Sender haben ein Hochkomma angehängt (z. B. Casanova'). 

  • Experimentell: Bei einer Hintergrundbeleuchtung mit dem Wert 51 findet ein schneller Scan im sichtbaren Skalenbereich statt.

Das vorliegende Exemplar des Radios besitzt leider einen minderwertigen, wackeligen und inzwischen in Teilen zerbrochenen Drehschalter. Darum wurde bisher die etwas umständliche Benutzerführung nicht grundlegend angepasst, lediglich das Menü-Timeout wurde global verlängert. Im Info-Modus ist der Doppelklick wegen der genannten Probleme deaktiviert. Die Band-Umschaltung ist nur über einen einfachen Klick und dem Menü erreichbar. Durch geeignete Sender im Speicher kann die Bandumschaltung zum Teil entfallen.


Download und Upload


Diese von mir nach persönlichen SWL-Interessen angepasste Firmware für diesen Empfänger kann mittels USB-Kabel übertragen bzw. geflasht werden. Die modifizierte, erweiterte und weiterhin noch vorläufige Firmware liegt als Binärdatei in einem Zip-Archiv vor. Nach dem Download und dem Entpacken in einem beliebigen Verzeichnis, muss diese Datei zum Radio hochgeladen werden. Dies erfolgt am einfachsten mit einem modernen Browser. Hier die einzelnen Schritte:

Die serielle Schnittstelle des Radios erscheint nun in der Auswahl. Nachdem die Verbindung hergestellt ist meldet das ESP-Tool etwa:

esptool.js

Serial port WebSerial VendorID 0x303a ProductID 0x1001
Connecting... Detecting chip type... ESP32-S3
Chip is ESP32-S3 (QFN56) (revision v0.1)
Features: Wi-Fi,BLE,Embedded PSRAM 8MB (AP_3v3)
Crystal is 40MHz
MAC: f4:12:fa:dc:5b:55
Uploading stub...
Running stub...
Stub running...

Das Radio schaltet sich ab.

  • Unter Choose a file bei einem der vier Möglichkeiten mit dem Offset 0x0 kann nun die Binärdatei des entpackten Archivs mit der Endung *.bin gewählt werden.
  • Mit Klick auf Program startet - auf eigenes Risiko - der kurze Upload oder der sogenannte Flashvorgang.
  • Das Radio muss danach einmal aus- und wieder eingeschaltet werden.

Hinweis: Sollte die Firmware sich sehr seltsam verhalten, so kann es sinnvoll sein vor dem Upload den Speicher komplett zu löschen. Aus Sicherheitsgründen wurde vor Beginn der Modifikation die Original-Firmware gesichert. Diese kann auf die gleiche Weise zum Radio hochgeladen werden, um den Ausgangszustand wieder herzustellen. Eine Firmware ohne Decoder ist oben rechts auf dieser Seite verlinkt.


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